Samstag,25.April 2015


Unterwegs zur Selzer Orgel

Besuch bei Orgelbau-Werkstatt Klais in Bonn

 

Dort, wo zu Beginn des Jahres noch unsere Orgel war, ist jetzt ein mit einem verzierten Holzkasten umrahmtes Nichts. Die Stumm-Orgel aus der Selzer Kirche wird zur Zeit restauriert. Kurz vor ihrer Rückkehr nach Hause haben 17 Interessierte am 25. April einen Ausflug unternommen, um die Orgel in Bonn beim renommierten Orgelbauer Klais zu besuchen.

Zunächst führte der Weg jedoch in den Kölner Vorort Rondorf - als Appetitanreger. Hier stehen in einer Neubaukirche zwei von Klais instandgesetzte Orgeln - jede für sich ein Schmuckstück, jede mit einem vollen Klang. Der hat der Selzer Orgel zuletzt gefehlt: Können die Bonner Orgelbauer um Dr. Theobald, der für die Restaurierung unserer Orgel zuständig ist, auch der Selzer Orgel wieder zu alter Frische verhelfen?

Der Besuch der Werkstatt macht sehr zuversichtlich: Nach einer Stärkung mit „Weck, Worscht und Woi“ besichtigt die kleine Reisegruppe Holzlager, Schreinerwerkstatt, Metallgießerei und Pfeifenwerkstatt. Überall wird so ähnlich gearbeitet, wie schon vor hunderten von Jahren - denn jede Orgel ist ein Unikat, das zum Raum, den sie beschallen soll, passen muss. Einen fertigen Baukasten, der überall passt, gibt es nicht. Und Klais baut weltweit die größten Instrumente für die renommiertesten Räume. Die Selzer Abordnung bestaunt Aufbauten und Pfeifen, Windkanäle und Elektronik für die Orgel, die bald in der Hamburger Elbphilharmonie eingebaut wird. An Klais soll es nicht liegen - Dr. Theobald verrät nicht ohne Stolz, dass die Orgelbauer in Hamburg im Zeit- und Kostenrahmen geblieben sind.

Und so wird es auch mit dem Instrument aus der Selzer Kirche sein: Die Orgel war schon fertig verpackt für den Rücktransport nach Rheinhessen. Als Abschluss und Höhepunkt der Führung öffnet Dr. Theobald ein paar Kisten: Die Klaviatur, die Registerzüge - da liegt unsere Orgel in Einzelteilen. Selbst der Laie erkennt: Jedes Teil wurde gesäubert und dort, wo nötig repariert. Hier war viel Arbeit und Liebe zum Detail am Werk.

Ob die Orgel aber wirklich gut klingt, das wird sich erst herausstellen, wenn sie von Dr. Theobald und seinen Mitarbeitern in Selzen wieder eingebaut wird. Dass es so sein wird - und dass sie danach nicht wieder zickt, wie in der Vergangenheit, davon darf höchst optimistisch ausgegangen werden.