Ostern sprengt jeden Rahmen

 

   Am Ostersonntag wurde in Hahnheim mit einem   Festgottesdienst

  die neu gestaltete evangelische Kirche wiedereröffnet.

 

Wer die veränderte Kirche zuvor nicht schon einmal betrachtet hatte, der war überwältigt – vom Licht, von den Farben und von der Aussagekraft des Fensters und des Altarraumes. Ein wunderbares Beispiel dafür, wie das Thema „Auferstehung“ durch künstlerische Gestaltung eindrücklich vermittelt werden kann! Ein gelungenes Beispiel auch dafür, wie Alt und Neu miteinander harmonieren und sich ergänzen können.


Wie die Aussagen der geschnitzten Holzreliefs, die seither den Altarraum dominierten, nun beide auf die Auferstehung in der Mitte verweisen, und so sich alles zusammenfügt, kam nirgends besser zum Ausdruck, als in der Predigt von Pfarrerin Anne Waßmann. Auch das ungewohnt geschwungene Holzkreuz erfuhr eine wunderschöne Deutung: „Es ist nicht mehr der starre rauhe Stamm des Todes, an dem Jesus hing. Die Todesstarre löst sich und damit kommt auch das Kreuz in Bewegung, wird zur lebendigen Verbindung zwischen Gott und den Menschen. Der Längsbalken wird zur Bahn, die direkt in den Himmel verweist, und der Querbalken umarmt uns Menschen, nimmt uns hinein in Gottes Liebe.“ Und an anderer Stelle hieß es: „Ich blicke auf das Rundbogenfenster und denke, ja, Ostern sprengt jeden Rahmen. Um überhaupt annähernd auszudrücken, was Auferstehung heißt, reicht ein kleines Fenster nicht. Überall in der Kirche springen die Linien, überall kleine Auferstehungen, die den Rahmen sprengen.“ Und dann am Schluß der Predigt: “Sorgt für Auferstehung im Alltag, sprengt mit kleinen Mitteln den dunklen Rahmen des Todes, bringt das Rot des Lebens zurück, bringt Schwung in Erstarrtes. Haltet Hände, tröstet, umarmt. Geht dahin, wo die Hoffnungslosigkeit wohnt. Tretet ein für das Leben, das stärker ist als der Tod“. Aber auch wenn uns eine Predigt einmal nicht sonderlich ansprechen sollte – die neue Altarraum-Gestaltung in der Hahnheimer Kirche ist auch ohne Worte eine eindrucksvolle Predigt und kann zu einem Verständnis auf einer tieferen Ebene beitragen.


Im Anschluß an den Gottesdienst, der durch den Kirchenchor und die Orgel festlich musikalisch gestaltet wurde, erläuterte der Künstler Eberhard Münch seine Arbeit. Außerdem wurden Gruß- und Dankesworte gesprochen von Dekan Graebsch, Architekt Mechnich, VG-Bürgermeister Penzer sowie Gemeindereferent Torner und Frau Deutsch-Koch vom katholischen Pfarrgemeinderat. Die Hochachtung und der Dank für die mutige Entscheidung, dem Kirchenraum ein neues Gesicht zu geben, war dabei immer wieder zu hören. Frau Weidmann als Vetreterin des Hahnheimer Kirchenvorstandes dankte vor allem Pfarrerin Bretschneider-Müller, die diesen Prozess geduldig und beharrlich begleitet hatte. Mit einem fröhlichen Sektempfang im Gemeindehaus endete dieser Vormittag. Die geplante Powerpoint-Präsentation über die Arbeiten in der Kirche von Oktober 2010 bis April 2011 wird bei Gelegenheit in einer Abendveranstaltung nachgeholt werden.

 

  Beate Höneß